23.11.2013 · Hockenheim
Musik

Rotten Surface, Benedikt Röchert, Danielle Lombardo, Daniel Reinemut, Julian Kircher, Lukas Scholpp, Echtzeit, Dennis Brandenburger, Nicolai Leiser, Jan Thus, Benjamin Sturm, Nico Cicalone, Lena Thus, Total Banal, Jonas Kolbenschlag , Philipp Schied, Dennis Brandenburger, Oliver Schreiber, Jens Kreft

Bands on fire zwischen Deathmetal und Kuschelsong


Bereits zum dritten Mal setzten die „Bands on Fire“ am vergangenen Samstag Abend das Hockenheimer Kulturzentrum „Pumpwerk“ in Brand: Drei Nachwuchsbands, die unterschiedlicherer Machart kaum hätten sein können führten eine bemerkenswert große Zahl junger Musikfans im alten Wasserwerk zusammen – jeder schaut mal bei jedem, so das Konzept hinter dem Newcomer-Festival der Musikschule Hockenheim.

Unter der Führung Jens Krefts, der die Schulband-Abteilung der Musikschule leitet, fanden sich diesmal die Hard- und Death-Metal-Heads von „Rotten Surface“, die Rock-Pop-Coverer von „Echtzeit“ und die Pop-Punker von „Total Banal“ zusammen – eine höchst explosive Mischung, die gerade in der krassen Kombination ihren Reiz suchte und fand.

Den Einheizer gaben Drummer Benedikt Röchert, die Gitarristen Danielle Lombardo und Daniel Reinemut und der Bassist Julian Kircher um Leader Lukas Scholpp – „Rotten Surface“ präsentierte einige eigene Stücke und genretreue Cover irgendwo im harten Sound zwischen der amerikanischen Deathcore-Band „As Blood Runs Black“, den Post-Hardcore-Metallern von „A Day to Remember“ und den Metalcore-Größen von „As I Lay Dying“: Dirty Sound und erbarmungsloser Beat in durchdringender Einigkeit.

Sehr viel kuscheliger dann in Sandwichlage „Echtzeit“. Die Projektband, die vor fast 10 Jahren gegründet wurde und seither – das Los der jungen Gruppen – immer wieder fasst schon vernichtende Besetzungswechsel durchgemacht hat, trat diesmal in einer „Notbesetzung“ auf: Die Frontline dezimiert, Bassist Adrian Sowa krank und durch Dennis Brandenburger, von dem noch die Rede sein wird, vertreten.

„Echtzeit“ überzeugt mit einer gediegen-routinierten Rhythmus-Gruppe – neben Brandenburger Nicolai Leiser und Jan Thus im Wechsel an den Drums – einem wirklich grandiosen, ausgesprochen einfallsreichen Gitarristen Benjamin Sturm und vor allem mit den beiden Lead-Stimmen Nico Cicalone und Lena Thus. Gerade letztere konnte mit dem „4 Non Blondes“-Hit „What’s up“ und Alanis Morissettes „Ironic“ wahre Begeisterungsstürme auslösen: eine durchzugsstarke, vielseitige Stimme, die bei etwas Feinschliff an der Performance auch größer herauskommen könnte.

Cicalones warme, grundständige Kuschelstimme hätte einige andere Titel vertragen – vor allem wäre er die perfekte Besetzung für Robbie Williams „Angels“ gewesen, das anderweitig erklang – und doch konnte er beim Publikum mit „Free fallin‘“ (Tom Petty & The Heartbreakers) und „Halt Dich an mir fest“ (Revolverheld) landen können.

Der Topact des Abends ohne Frage die vier Speyerer Jungs von „Total Banal“: Hier kommen jugendliche Frechheit, hemmungslose Lebensfreude und eine glaubwürdige Performance zusammen. Ausschließlich eigene Titel, die genüsslich in den Klischees der Pop-Punk-Welle baden, thematisch irgendwo zwischen erstem Date und Abschiedsschmerz („Ich lieb Dich, Du mich nicht – lass uns zusammen sein“), musikalisch kompakt und mitreißend – vor allem dem rotzfrechen Jonas Kolbenschlag (Gesang und Gitarre) ist der Erfolg zu verdanken, der auf der satten Basis Philipp Schieds (Gitarre) Dennis Brandenburgers (Bass) und Oliver Schreibers (Drums) steht. Gemeinsam sind die Jungs eben gerade nicht banal, sondern in ihrem Schrummel-Style ausgesprochen subtil.

„Bands on fire“ war einmal mehr ein Jahrmarkt der Möglichkeiten – bis zum nächsten Mal.

Infos und Kontakt zu den Bands im Internet unter:

www.facebook.com/RottenSurface

www.echtzeit-music.com

www.totalbanal.com