06.03.2026 · Hockenheim
Musik

Heidelberger HardChor, Bernhard Bentgens, Peter Saueressig, Peter Antony, Manfred Kern, Richard Handwerk, Stephan Rohn

HardChor mit „Nicht mein Zirkus“ daheim in Hockenheim

Der Heidelberger HardChor um Bernhard Bentgens verzaubert sein Publikum mit dem neuen Programm „Nicht mein Zirkus“ – einer gelungenen Mischung aus musikalischer Präzision, humorvoller Textkunst und mitreißender Show. Nach über 35 Jahren Kultstatus zeigt der Chor erneut seine einzigartige Kombination aus Musikkabarett und hoher musikalischer Qualität.


Sie sind die Garanten der Fröhlichkeit, die Botschafter des Humors – und gleichzeitig eine sichere Bank in Sachen Qualität und musikalischem Niveau. Lang erwartet und heiß ersehnt: Der Heidelberger HardChor um seinen längst zur Kultfigur avancierten musikalischen Mastermind Bernhard Bentgens hat – endlich – wieder in Hockenheim Station gemacht und nach rund zwei Stunden klanglichem Freudentaumel ein frenetisch nach Zugaben verlangendes Publikum hinterlassen.
„Wir üben mit Euch seit über 20 Jahren – und es wird immer schöner“, konstatierte Bentgens eine hochproduktive klangliche Schaffenszeit, die eine perfekte Symbiose zwischen Chorleiter, Chor und Publikum ist, in der ihm eigenen Bescheidenheit. Tatsächlich begeistern die „Männerschicksale“ – inzwischen ist das 11. Programm bereits in die Nummer XII eingetreten - der Heidelberger seit mehr als 35 Jahren ungebrochen und in einer geschmeidigen Kurve, die nach wie vor nach oben zeigt, ihr Publikum. Dreh- und Angelpunkt ist – bei allem Respekt vor den grandiosen Stimmen des Chores - Bernhard Bentgens. Der ist nicht nur Pianist, Sänger und Chorleiter, der sich mit zahllosen eigenen Veröffentlichungen und mindestens ebenso vielen ungewöhnlichen Projekten auch in der „ernsten“ Musik einen tadellosen Ruf erarbeitet hat, sondern eine ganz eigene Marke, die sich nirgends richtig einordnen lässt: Ein wenig Musikkabarettist, ein wenig klassischer Musiker – in jedem Falle aber hochgefeierter Entertainer mit unverwechselbarer Note.
Diesmal haben die 17 Stimmen um den quirligen Mann mit Fusselhaar und Konfetti-Neigung unter dem Arbeitstitel „Nicht mein Zirkus“ eine köstliche Mischung zwischen Chorausflug, Change-Management-Schulung und Midlife-Crisis in Töne verpackt, um vom bereits fulminanten Opener mit dem Titelsong bis zu dessen Reprise am Programmende die ihnen eigene Mischung aus hochpräziser, punktgenauer und sprachlich wie interpretatorisch lupenreiner Musik, textlicher Clownerie und performanter Kasperei in Reinform zu servieren – zum eigenen Gaudium mindestens ebenso sehr, wie zu dem der Zuhörer. Diese eigene Freude am Singen und an der grotesken Show ist Erfolgsgarant des HardChors seit seinen Gründungstagen.
Diesmal arbeitete die Schicksalsgemeinschaft an sich selbst: „Wir spüren, die Veränderung – also, dass sich nichts verändert“ bilanzierte Bentgens den in eine „gewagte Reise zu sich selbst“ verpackten choreigenen Seelenstriptease zwischen Lanophobie und der Sehnsucht, „Affirmation im Alltag zu leben“. Den zelebrierten die Jungs feixend mit einer ganz eigenen Variante des Hits „Brazil“ des Bossa-Nova-Begründers Antônio Carlos Jobim, mit dem sich Stephan Rohn in einer spannenden Konfrontation zwischen den sacht stehenden Harmonien und den sich in rhythmischen Eskapaden abarbeitenden Passagen begab ebenso aus, wie mit dem zum Requiem auf schwindendes Haupthaar umgetexteten „Just the Two of Us“, mit dem Bill Withers und Grover Washington Jr. 1981 die Billboard-100 stürmten: „Volle Wolle ist nicht mehr“.
Echte Mitsing-Hits waren das hochemotionale „Meine Lieder“, das „olle Kamellen zu dem kürten, was sie manchmal sind: „Lieder, die mir wichtig sind“ und eine kuschelweiche Interpretation des Rio Reiser-Songs „Junimond“, mit dem Manfred Kern „auch mal in der Mitte stehen“ will und das erst „Echt“ 2000 in die Charts brachte.
Mit ihren Programmen verschränken die HardChorer seit drei Jahrzehnten den ihnen eigenen Klamauk mit bemerkenswert fundierter Qualität. Eben noch wirkt der glitzernde Helmo-Changemanager-Wunscherfüll-Helm („Wohl doch nur ein klassisches Amazon-Prime-Geschenk“), mit dem Stephan Rohn ein wenig wachsen und Heribert Mohr volleres Haar bekommen will, slapstickartig bizarr, dann erklingt ein lupenreines „Deine Schuhe“, das einen auf den ersten Blick witzigen, bei näherer Betrachtung aber umso tiefsinnigeren Text in einem musikalischen Wechselbad aus schlanken Tenören und tief gegründeten Bässen in ein melancholisches Ex-Liebeslied verwandelt.
Eben das ist, was den HardChor vom blanken Musikkabarett unterscheidet: Im Zentrum steht nicht (nur) der Witz, sondern die musikalische Größe. Eine ausgefeilte Intonation, ein unverwechselbarer Sound und eine stimmliche Höhe, die den Vergleich mit den ganz Großen nicht scheuen muss. Gänsehautgarant eine kristallklare, fesselnde a-capella-Variante von „Der Weg“, mit dem Herbert Grönemeyer 2002 den Tod seines Bruders und seiner Ehefrau verarbeitete, oder auch die von „Chorpraktikant“ Richard Handwerk mit einer natürlich-wahrhaftigen Naivität interpretierte persönliche Fassung von „Gute Nachricht“, das in seiner ursprünglichen Veröffentlichung von Danger Dan, der mit der „Antilopen Gang“ aktiv war, wie ein müder Abklatsch wirkt.
Dazwischen das beschwingte „Wann willst Du leben wenn nicht jetzt“, das vor fünf Jahren auch schon als Programmtitel diente, ein klanglicher Kracher und grandioser Stimmungstitel, der Manfred Kern vom Latin-Lover in einen „Woll-pul-Lover“ verwandelte und „Vitello tonnato“ gegen „Spätzle mit Soß‘“ alt aussehen lässt oder das prononcierte „Cut, Copy & Paste“, mit dem textlich feinsinnig und klanglich eingängig der durchgemanagte Betriebsalltag persifliert wurde, ein durch Dominique Mayrs Beatboxing angeheiztes „Domino“ und das intonierte Liebesgewirr „Tim liebt Tina“.
Als Peter Saueressig und Peter Antony im Pre-End-Song „Crazy Pressure“ den „Queen“-Hit „Under pressure“ mit „She drives me cracy“ der „Fine Young Cannibals“ mixten, um das Publikum endgültig in Raserei zu versetzen, war einmal mehr klar: Der HardChor ist ein Must, das mit den lang herbeigeklatschten Zugaben „Hausschwein“, „Fischstäbchen“ und einer rennstädtischen Variation des Mabel-Wayne-Endloshits „Ramona“, aber auch mit den ganz neuen Liedern seinen Kultstatus einmal mehr gefestigt hat.
Wie sagte eine in der Pause eingesammelte Publikumsmeinung zu den Veränderungsbedürfnissen des HardChors: „Manchmal muss man gar nichts ändern – bleibt, wie Ihr seid“. Oder um es mit dem musikalischen Highlight des Abends zu sagen: „Ich trag Dich bei mir, bis der Vorhang fällt“.

Weitere Informationen im Internet unter https://hardchor.de/


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