Über mich
Es gibt Biografien, die beginnen mit einem Plan. Meine beginnt mit einem Zufall – und ist gerade deshalb bis heute stimmig geblieben. Als Abiturient schrieb ich ein paar Texte über unsere Abi-Aktionen, mehr aus Lust am Formulieren als aus Karriereabsicht. Die Redaktion las, fragte an – und ich sagte Ja. Seit 1992 schreibe ich nun über Kultur.
Meine Region ist der Raum Hockenheim/Schwetzingen, mein Gegenstand ist alles, was sich hier an Kultur ereignet: Konzerte, Kabarett, Theater, Ausstellungen. Nicht als bloße Terminchronik, sondern als Versuch, Bedeutung sichtbar zu machen: Kultur ist selten nur das, was auf der Bühne passiert oder an der Wand hängt. Oft ist sie ein Echo: von Biografien, von Traditionen, von Brüchen, von Stil- und Zeitgeschichte. Und manchmal ist sie auch ein Missverständnis – zwischen Anspruch und Rezeption, zwischen Qualität und Resonanz. Wer lange genug hinsieht, lernt: Nicht immer ist das volle Haus das sichere Gütesiegel, und nicht jede halbleere Reihe ist ein Urteil über die Kunst.
Kritik als Einordnung
Ich verstehe mich als Kritiker – allerdings als einer, der sich nicht damit begnügt, Daumen zu heben oder zu senken. Gute Kulturkritik ist für mich Einordnung, Erklärung, Kontext. Was macht einen Abend mehr als „nett"? Warum funktioniert ein Song nicht nur als Hit, sondern als Erzählung? Wie liest man ein Bild, wenn man nicht nur Farben sieht, sondern Kunstgeschichte? Und was ist an einem Künstler interessant, jenseits der Pose? Mich reizt das, was der Leser mit eigenen Augen und Ohren nicht zwingend hören und sehen kann, wenn niemand es ihm aufschließt.
Musik als stärkstes Feld
Musik ist dabei mein stärkstes Feld. Vielleicht, weil ich sie nicht nur von außen betrachtet habe. Lange Jahre habe ich selbst auf der Bühne gestanden und Reinhard-Mey-Lieder vorgetragen, Konzerte gegeben, Applaus genossen – und gelernt, dass Kritik kein Feind ist, sondern ein Teil des Spiels. Diese Erfahrung macht nicht weich, aber sie macht fair. Und sie lässt einen genauer hinhören, wenn jemand „nur" singt und plötzlich doch etwas erzählt, das bleibt.
Eine erkennbare Handschrift
Dass mein Schreibstil wiedererkannt wird, ist kein Marketing-Satz, sondern eine Erfahrung. Nachdem einer meiner Texte in der Redaktion per KI „optimiert" wurde, klingelte mein Telefon. Mehrfach. Leser reklamierten, das könne unmöglich von mir sein. Das war, bei allem Stirnrunzeln über den Vorgang, eines dieser seltenen Komplimente, die man nicht bestellen kann: Eine Handschrift, die fehlt, wenn man sie ausradiert.
Mehr als Journalismus
Neben dem Journalismus betätige ich mich auch auf anderen Feldern – nicht als Sammlung von Nebenrollen, sondern als Perspektivschärfer. Beruflich arbeite ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie als Erlebnispädagoge, bin dort Betriebsratsvorsitzender, Mitglied im Wirtschaftsausschuss und im Aufsichtsrat des Konzerns. Das ist eine Welt, in der Worte Konsequenzen haben und Verantwortung kein abstrakter Begriff ist. Es prägt den Blick auf Menschen, auf Brüche, auf das, was hinter Fassaden liegt – und das ist, wenn man ehrlich ist, auch im Kulturleben nicht selten der eigentliche Stoff.
Und dann ist da noch die Praxisseite der Veranstaltungswelt: Gemeinsam mit meinem Bruder betreibe ich eine Firma, die Kongresse technisch und organisatorisch betreut. Wer einmal erlebt hat, wie schnell ein Abend an Kleinigkeiten scheitert – oder wie glänzend er werden kann, wenn alles ineinandergreift –, schaut anders auf Bühnen, Räume und den unsichtbaren Teil der Aufführung.
Das Archiv
Diese Website ist mein Archiv: über 1500 Artikel seit 2001, zugänglich und durchsuchbar. Die ganz alten Texte aus der Zeit meiner mechanischen Schreibmaschine hebe ich mir auf – vermutlich für den Ruhestand.
Vor allem aber ist sie der Versuch, den Menschen hinter dem Kürzel „mhw" sichtbar zu machen: Nicht als Lebenslauf zum Durchklicken, sondern als Stimme, die Kultur ernst nimmt – weil sie mehr ist als Unterhaltung.
Sie ist eine Form, die Welt zu verstehen.