13.03.2026 · Neulußheim
Vorträge & Lesungen

Michael Trischan

Literarische Blödelshow „Rares für Bares“ in Neulußheim

Michael Trischan präsentierte in Neulußheim eine literarische Blödelshow mit Wortspielen, Anekdoten und feiner Sprachkunst. Der Schauspieler, bekannt aus TV-Serien, zeigte seine Bühnenpräsenz in einem humorvollen und nuancierten Programm voller pointierter Texte in feinfühliger Darbietung.


Er hat zwei Drittel seines Lebens auf Bühnen im weiteren Sinne verbracht: Der Schauspieler und Rezitator Michael Trischan beherrscht die großen Gesten ebenso, wie die kleinen Fingerzeige. Ein Beispiel für seine extrem feinfühlige Wortgewalt hat der Mittsechziger am vergangenen Freitag Abend in Neulußheims „guter Sube“ des Kulturzentrums „Alter Bahnhof“ präsentiert. Unter dem Titel „Rares für Bares“ hat der charmante Hesse, der heute mit seiner Frau, der Schauspielerin Ditte Peter, in Leipzig lebt, eine „literarische Blödelshow“ zusammengestellt, die es in sich hatte. Wo es in Horst Lichters Klassiker für Antiquitäten Cash gibt, lockt Trischan für einen kleinen Obolus zu ebensolchen aus dem Bereich Sprache: Blödeleien, Anekdoten, Zungenbrecher, Wortspielereien und pointierte Witze knetet der Mann mit der mächtigen Bühnenpräsenz zu einem kraftvollen Poolish, aus dem durch eine großartige Mischung aus klanglicher Reife und der Hitze der Präzision in der Aussprache ein voller Laib wird, den gemeinsam zu genießen die beflügelnde Stärke de Saint-Exupérys entfaltete: „Der Geschmack des geteilten Brotes hat nicht seinesgleichen.“

Als Schauspieler kennt man Michael Trischan, der das Fach in Stuttgart und München gelernt hat, nach sechs Jahren am klassischen Theater unter anderem am Stadttheater Gießen, bei den Burgfestspielen Bad Vilbel und am Schlosstheater Celle vor allem aus dem Fernsehen: Nach ersten Erfolgen als kauziger Krankenpfleger Jürgen Borchert in 72 Folgen der RTL-Fernsehserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gelang als Hans-Peter Brenner in „In aller Freundschaft“ der Durchbruch. Er spielte den Krankenpfleger, Medizinstudent und späteren Arzt in mehr als 13 Jahren und rund 600 Folgen der mehrfach ausgezeichneten ARD-Krankenhausserie; dass seine eigene Krankenpflege-Ausbildung, die er vor seiner Schauspielausbildung für einen „soliden Beruf“ absolvierte, dabei zupasskam, wurde in der Kritik allenthalben honoriert.

Der auf Aktion und Gestus ausgerichteten Schauspielerei setzt Trischan in seinen Bühnenprogrammen – „Rares für Bares“ steht in einer vielbeachteten Reihe mit „SCHWAMPF - Sachen zum Lachen“, dem Weihnachts-Special „BALD ist schon wieder O-STERN!“, der Pubertäts-Gala „Windeln,Pickel,Psychiatrie“, dem Feuerwerk des jiddischen Witzes „Sex am Sabbat?“ und der Best-of-Show „Heiter und so weiter“ – eine fast statische Konzeption des „Wortprogramms“ entgegen: Einer Lesung gleich reiht der eigentlich perfekte Sprecher, dem man das durch Selbstverballhornung gerettete Verhaspeln bei „Barbaras Rhabarberkuchen“, das Bodo Wartke mit Marti Fischer in einer Rap-Variante zum TicToc-Hype machte, verzieh, Texte, Kurzinterventionen und – bisweilen auch etwas flachere – Pointen aneinander. Und konnte damit punkten. Die selbst gesetzte Maxime „Schauspielerei ist die Kunst, das Publikum am Husten zu hindern“, die dem britischen Shakespeare-Mimen Sir Ralph David Richardson zugeschrieben wird, hat Trischan dabei perfekt umgesetzt. Der Abend war ein – nur durch die gewollten Lacher unterbrochenes – Lauschen auf die herausragend fein und nuanciert vorgetragenen Texte, denen Trischans warm-weiche Stimme, die auch ganz ohne Verstärkung trug, natürlichen Liebreiz und emotionale Tiefe gab.

Wenn man vom etwas schwachen Opener mit Hanns Dieter Hüschs Begrüßung des Künstlers vor seinem Auftritt, der zwar wie geplant in einer köstlichen Melange aus kulinarischer Einlassung und Hochkulturreise endete, insgesamt aber im luftleeren Raum hing, absieht, waren die Bonmots zwischen Mira Lobes „Zwei Elefanten“, dem „Verdrehten Schmetterling“ der österreichischen Kinderbuchautorin, der Schnellsprech-Parodie „Was, das soll ein Pfirsich sein?“ der Stimm-, Sprech- und Rhetorik-Trainerin Karin Huber und Witzen im Stile von „Wenn man seinen Gästen erzählt, wie sauber die Klobürste im Geschirrspüler wurde ...“ gedrechselte Wort-Kunststücke mit heiterem Ende. Da gab es Kurt Tucholskys satirische Kurzgeschichte „Wo kommen die Löcher im Käse her?“, in der der deutsche Schriftsteller, der zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik zählte, auf humorvolle Weise Tobbys einfache Kinderfrage durch Onkel Adolf, Dr. Guggenheimer, Direktor Flackeland und viele weitere Protagonisten, die Trischan zwar etwas verschleifen ließ, die aber immer noch Charakter mitbrachten, zu einem Justiz- und Familiendrama steigerte. Fraglos ein Höhepunkt: Die ebenfalls als dialogische Kurzgeschichte angelegte Parodie auf einen Konzertabend der Musikschule. Aus „Fördert den Nachwuchs“ wurde – nicht ohne den Hinweis, dass selbst Folterstaaten sich bereit erklärt haben, „auf den Einsatz von Violin-Etüden aus humanitären Gründen zu verzichten“ – eine promillereiche „Jugendkulturförderung“ aus dem Rucksack („Meine Wahl war auf einen Riesling gefallen“), bei denen Großtaten der Kellerkunst als „konstanter Fluss der Fördermittel“ in einem „Saal in banger Beklommenheit“ den sonst auf dem Instrument herumkratzenden Leo zum „Gott an der Geige“ avancieren ließen. Pointen Schlag auf Schlag und ein begeistert mitgehendes Publikum als Belohnung.

Michael Trischans Auftritt war ein Fest für die Ohren und ein Seelenschmeichler voll Humor: „Schöner hatten die Glocken nie geklongen“.


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