14.11.2025 · Neulußheim
Kabarett & Comedy

Roberto Capitoni

Italo-Schwabe mit Bonanza-Rad und Onkel Luigi


Er ist ohne Frage der witzigste Italiener mit schwäbischem Akzent: Roberto Capitoni hat mit seinem Jubiläums-Programm „Italiener leben langer … außer mit Betonschuhen“ am vergangenen Freitag Abend die Herzen der Neulußheimer im ausverkauften „Alten Bahnhof“ im Sturm erobert – noch so ein Klischee. Aber wahr.

Kein Wunder bei einem Mann, der sich nackt vor den Spiegel stellt und im Gedanken an seine Frau feststellt: „Hat die Glück gehabt!“

Überhaupt bekommt seine Gattin ordentlich ihr Fett weg, weil Paare, die – wie er und sie – länger verheiratet sind, mit der selben Regenjacke von Tchibo herumlaufen wie „The Walking Dead“: „Der Ring, der zieht Dich nach unten und Du bist am Ende der Nahrungskette – hinter dem Hund“.

Feixend plaudert sich der inzwischen 63-jährige Sohn einer schwäbischen Mutter und eines italienischen Vaters, der selbst in Isny im Allgäu geboren wurde, durch einen zweistündigen Abend, der keinerlei Längen kennt. Ganz im Gegenteil ist die Gag-Schlagzahl des temperamentvollen Italo-Schwaben, dessen Gestik und Mimik atemberaubendes Tempo versprühen, schweißtreibend: Eben kurz mit einem Hinweis auf seine langen Jahre in Köln die Errungenschaft der Römer geehrt („Wo Karneval gefeiert wird, da wird gesoffen!“), dann ein kleiner Seitenhieb auf die Holde angeschlossen („Ich würde meine Frau niemals schlagen – niemals vor Leuten in der Öffentlichkeit!“) und mit einem Rundumschlag auf das weibliche Geschlecht touchiert: „Männer sind ausgeglichen – wenn ne Frau nix zu meckern hat, ist sie unglücklich!“ Sagts und wechselt ohne Pause zu Zeiten, in denen er nach Bayern trampen musste, um Schallplatten „wie eine große Hostie“ zu kaufen. Das Publikum ist von seinem Tempo so mitgerissen, dass der smarte Quasselmeister bisweilen bremsen muss: „Ich bin noch nicht fertig!“

Seit 1981 ist Capitoni auf den Bühnen der Clubs und im Fernsehen präsent – unter anderem organisiert er die alternative Karnevalsshow „Die blaue Bütt“, moderiert seit 40 Jahren eine eigene Comedy-Show im Koblenzer „Cafe Hahn“, tourte mit Ralf Günther, Andreas Grimm und Klaus-Jürgen Deuser als „Niegelungen Clown-Clan“ und war regelmäßiger Gast in allen vier „Quatsch-Comedy-Clubs“ des legendären Stefan Hermanns. Sein „Best of“ verbindet die glorreichsten Nummern aus sieben Solo-Programmen der letzten zwanzig Jahre und der hochdekorierte Comedian hat damit sich selbst und seinem ihn frenetisch feiernden Publikum ein langanhaltendes Geburtstagsgeschenk gemacht. Dabei lässt er seinen italienischen Wurzeln mit einer grandiosen Betonung auf altbekannte Stereotypen wenn er wild gestikulierend den mafiösen Papa gibt ebenso freien Lauf, wie dem Schwaben im Mann, der mit behäbigem Dialekt den Klischees von der Sparsamkeit viel Raum gibt, wenn er seine mechanische Schreibmaschine mit einem breiten „D‘r Strom wird deuer!“ verteidigt, von seinem beschnittenen Freund - „schwäbische Frauen fassen nur Sachen an, die mindestens 10 % reduziert sind“ - erzählt und einen schwäbischen Orgasmus mit „Sodelle!“ beendet.

Dazwischen gibt es eine köstliche „Star-Wars“-Neubesetzung mit Louis de Funès und eine urkomische Rückwärts-Neuverfilmung der „Titanic“.

Capitoni bindet sein Publikum immer wieder ein, wenn er den „Tagesabschnittsgefährten“ unter den Zuschauern die diabolische Seite einer Beziehung demonstriert: „Du bist das schönste Geschöpf auf Erden!“ – „Das kann ich von Dir nicht behaupten!“ Um dann mit weit aufgerissenen Kulleraugen zu konstatieren: „Verheiratete Männer leben länger, sind aber früher bereit zu sterben“.

Grandios ist die Spontanität des quirligen Pointen-Jägers: Als aus dem Auditorium als erste gekaufte Schallplatte „Nena“ gerufen wird, plaudert Capitoni sich flugs anekdotisch zurück in die Jahre, in denen er sich als Stagehand bei großen Rockbands wie „Queen“, „AC/DC“ und bei Tina Turner – und eben auch Nena, die man nicht habe anschauen dürfen, verdingte.

Es ist die einzigartige Mischung aus italo-schwäbischem Geplauder, einer ausgereizten Mimik und Gestik und den eigentlich belanglos erscheinenden Thematiken, die einen Abend mit Roberto Capitoni unverwechselbar und gut macht. Eben regt er sich noch über seine Frau und deren – von den Gästen sofort erkannten – „Freund aus Metall“ auf, der selbst Knochen „pulverisiert“, um im nächsten Augenblick mit ein wenig gebückter Haltung und zusammengekniffenen Augen „Onkel Luigi“ zu mimen, der hellhörig wird: „Habe da zwei Freunde in Palermo. Glaube, wir müsse Knochesmoothy mache“. Dann wechselt er ungebremst zur Geschichte über sein Bonanza-Rad, um wieder den Italiener – diesmal den Vater – zu geben, der missversteht: „Sin‘ die drei Schwule, die wohne bei die Papa“.

Stehende Ovationen sieht man im „Alten Bahnhof“ nicht oft – Roberto Capitoni hat sein atemlos zurückgelassenes Publikum mit seiner rasanten Show geradezu dazu gezwungen. Und – neben ein wenig Werbung für seine „nicht ganz ernstgemeinte Biografie“ „Vom Punk zum Comedian“ – Hoffnungen auf sein aktuelles Programm gemacht mit dem verheißungsvollen Titel „60 ist das neue 40“ – der jubelnde „Alte Bahnhof“ bittet darum!


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