15.04.2021 · Hockenheim
Vorträge & Lesungen

Dominik M. Koch, Johannes Heck

Klasse und Optimismus beim „BarTalk“ - das Musik-Genie Dominik M. Koch


Nicht um das Geld gehe es ihm, sondern um „die Chance, außergewöhnliche Dinge zu realisieren“ – wie ein Fanal als Vorbereitung auf viel Neues, das in der Zukunft noch auf ihn, seine Mitstreiter und sein Publikum wartet, klang einer der Schlüsselsätze, von denen der jüngste „BarTalk“ geprägt war: Wer in Corona-Zeiten auf einen Künstler trifft, erwartet eigentlich Weltuntergangsstimmung – doch die 27 Teilnehmer der Plauderrunde aus der Evangelischen Stadtkirche erlebten am vergangenen Donnerstag etwas völlig anderes – der Talkgast des Abends, den Pfarrer Johannes Heck eingeladen hatte, sprühte förmlich vor Begeisterung, Enthusiasmus und verbreitete eine überaus optimistische, hoffnungsfrohe und auf diese Weise höchst mitreißende Atmosphäre.

So kennt man Dominik M. Koch, den Leiter der Hockenheimer Stadtkapelle, eigentlich schon seit seinem Rennstadt-Debüt 2007: Bereits der erste Bericht über das damalige Sommerkonzert hatte erahnt, was in den letzten 14 Jahren zu einer festen Größe im Kulturleben zwischen Ring und Wasserturm wurde – „Musikalische Action und klanglicher Sex-Appeal“.

So traumwandlerisch sicher der inzwischen zum 2. Musikoffizier und stellvertretenden Leiter des Heeresmusikkorps Ulm aufgestiegene damalige „junge Wilde“ am Pult die schönsten Dirigate im weiten Umkreis präsentiert, so eloquent und natürlich sein Habitus im Talk mit Heck – gewitzt, scharfsinnig und mit einer unglaublichen Bindungskraft plauderte das musikalische Ausnahmetalent sich durch die Themenfelder zwischen 90er-Syntie-Rock, Autobiografie, Nachwuchskonzepten und Zukunftsprognosen. Perfekt wie ausnahmslos jeder seiner musikalischen Beiträge – vielleicht fiel es gerade deshalb so schwer, die Hightlights des bisherigen Schaffens zu benennen, zu denen neben dem grandiosen Doppel aus „Wir sind das Volk“ und „Symphonic Rock“ 2017 und dem 2020 gemeinsam mit dem AGV Belcanto aufgeführten „Requiem op. 70“ von Rolf Rudin fraglos auch das vielbeachtete Diplomkonzert 2011, aber auch zahllose Jahreskonzerte der Stadtkapelle gehören - bediente der charmante, immer aus der Stärke der vollen Überzeugung sprechende Koch das Wollen hinter dem Format des „BarTalks“. Locker soll es zugehen, spannend soll es sein und am Ende sollen alle auf „Meeting beenden“ klicken und im Herzen Freude und viel Neues miteinander vermischen. Auch wenn die Wehmut immer auch Teil des Online-Events ist – oder wie Koch das so treffsicher ausdrückte: „Man kann sich in Zoom das Schönste ausdenken, aber nichts ersetzt die Gemeinschaft“ -, blieb doch auch diesmal wie bereits beim Opener mit Engel-Wirt Mario Böhm vor vier Wochen ein wohliges Gefühl des Zusammenseins zumindest im virtuellen Raum.

Und ein Hauch von Nähe, wenn man auch einem fraglos ganz besonderen Menschen „von Cam zu Cam“ persönliche Fragen stellen kann: Zu den Anfängen, als Koch, der mit sechs Jahren Klavier, mit zehn Posaune lernte und sich dann durch einen „Zufall“ mit 18 Jahren ans Dirigentenpult seines Heimatvereins, des MV Mühlhausen, stellte. Zur Frage, woher er diese unglaubliche Energie nimmt, die Orchester, die er alle lange Jahre geleitet hat (neben der Stadtkapelle und dem MV Mühlhausen waren das unter anderem das Verbandsjugendorchester Rhein-Neckar und das Sinfonische Landesblasorchester Hessen) zu immer neuen Höchstformen zu führen. Und zur Thematik, wie die Balance zwischen Qualitätsanspruch und Spielfreude gelingt.

Dominik M. Koch hat als Talkgast ebenso überzeugt, wie er das seit Jahren mit dem Taktstock in der Hand verlässlich und immer wieder verblüffend anders tut. Und er hat die Hoffnung auf die Zukunft und die Lust an der Musik miteinander vereint: „Wir haben eine dumme, lange, unnötige Pause – aber danach wird es wieder toll werden!“ Denn bei allen Einschränkungen, mit denen die Corona-Zeiten einhergehen, entdeckt der so lebensbejahend wirkende Koch auch positive Aspekte: „Vielleicht bringt diese Zeit auch die Chance, dass es neue Kooperationen und Beziehungen gibt und neue Wege und Möglichkeiten entstehen“.

Auf die Ergebnisse darf Hockenheim und die ganze Musikwelt bereits heute gespannt sein – und sie wird sich darauf freuen.

Weitere Informationen im Internet unter www.dominikkoch.de und www.evangelisch-in-hockenheim.de/onlineangebote.html. Mitschnitte von vielen musikalischen Highlights mit der Stadtkapelle bei Youtube im Kanal „abklassik“: www.youtube.com/user/1965albrecht.

Beim nächsten „BarTalk“ am 20. Mai geht es mit Helene Schmitt „Rund um den Spargel“.


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